Susanna Bummel-Vohland, Aufruhr durch einen neuen Menschen. Kurztexte.

 

Einleitung

Man geht um die Ecke, und da kann ersie stehen, der neue Mensch im eigenen Leben. Und alles ist anders als zuvor.
Es ist nicht immer nur die Liebe, es ist die existenzielle Hoffnung jedes Menschen. Die neue Erwartung im Angesicht des Anderen, Fremden. Will und muss man ihm eine Antwort geben?

Man sollte – sagen diese Kurztexte.

Natürlich wird man dabei auch selbst in eine Frage gestellt, ja, infrage gestellt. So wie es das helfende Wort gibt, das man sich nicht selbst sagen kann, so gibt es auch diese Frage, die man umgekehrt ganz allein beantworten muss.

Angenehm ist das nicht immer – daher der Aufruhr, oft genug die Weigerung, die Ablehnung. Aber man kann nicht mehr dahinter zurück. Und das ist wundervoll! Leichtfüßig und liederlich gehen diese Kurztexte damit um, ja sogar als Baumrinde…

Wo immer Menschen sind, wartet das größte aller Abenteuer – ein anderer Mensch und das unbekannte Ich.

Die Aufruhr durch einen neuen Menschen

Schon ist es einem zu viel, zu laut, zu konträr. Wer nicht für mich ist, ist gegen mich!- so schreit das geplagte, eingezwängte, ja ins Herkömmliche, Vertraute eingewindelte innere Kind auf. Ich will mich nicht bewegen! Dieser dumme neue Mensch konfrontiert mich mit mir selbst, als müsse ich neu nachdenken, als sei ich bislang nichts gewesen, als habe ich nicht längst alles tausendfach durchdacht, durchlebt, durchlitten. Als sei mir nicht Endlichkeit und Unvollkommenheit zur Genüge bewusst. Als hätte es Ihn dazu gebraucht!

Unverschämtheit!

Ja – es ist eine Unverschämtheit. Die Unverschämtheit der Liebe. Madame sans gène. Alle Kleider fallen vor ihr, jeder Selbstbetrug – und sei es nur der, welcher in dem absoluten Vertrauen in den bisherigen Weg bestand. Furcht kommt auf. Vor jedem neuen Menschen stehen wir als Liebende gleich neu, unschuldig und völlig verwirrt. Wir haben keine Kenntnis aus früheren Lieben. Alles ist auf den Kopf gestellt. Seine bloße Anwesenheit zwingt uns dazu, uns kopfunter aufzuhängen. Schon fallen die Ästchen buchstäblich auf den Boden. Nur orakeln ist möglich, zusammengesetzt aus Wut, Furcht, Attraktion, Zärtlichkeit, Neugier, Erinnerungen. Liebe, du Erdbeben! Es ist wieder einmal Zeit, den alten eigenen Adam abzustreifen. Eva – was soll ich anziehen??? Wie ziehe ich den neuen Menschen an? Den Ich – nachdem du ihn mir auszogst?