Biographie

Ich wurde 1973 in Bozen, einer norditalienischen Kleinstadt, geboren. Ich stamme aus einer bikulturellen und zweisprachigen Familie, in der ich schon als Kind die Bedeutung der Mehrsprachigkeit, Interkulturalität, Musik, Kunst, des Kulturaustausches und Dialogs verstand.

Natürlich habe ich beide Seiten der Multikulturalität erlebt: die positive des gegenseitigen Verständnisses, der Empathie und des Dialogs und die negativen Formen wie Diskriminierung, Rassismus und Mangel an Empathie.

In einer Grenzregion zu leben kann aufregend sein, aber man muss hart an sich arbeiten, um all die Unterschiede, die man immer wieder erlebt, auch zu verarbeiten.

In Bozen besuchte ich die deutsche Grundschule und dann das Konservatorium „Claudio Monteverdi“, an dem ich leidenschaftlich Geige und Klavier spielte. Dort erfasste ich die Bedeutung der Verbindung zwischen Sprache und Musik, Kunst und Poesie, um in einer friedlichen und sinnvollen Welt zu leben.

Nach meinem Abitur an der Lehrerbildungsanstalt “J. Gasser” in Brixen studierte ich katholische Theologie an der Theologischen Hochschule Bozen-Brixen (Diplomarbeit über die Geschichtsphilosophie von J.G. Herder), Pädagogik an der Staatlichen Universität Verona (Diplomarbeit über die Philosophie von Karl Löwith) und unterrichtete nebenbei Sprachen und arbeitete als Sozialarbeiterin in der Sucht- und Migrantenberatung.

Ich war auf der Suche nach Wissen, Schönheit und Harmonie durch die Unterstützung anderer Menschen. Und in der Beziehung zum Anderen entdeckte ich, dass genau diese Gegenseitigkeit der Weg und der Schlüssel sind, um meine eigene Persönlichkeit und mein Selbstbewusstsein als Frau in dieser bunten und diversen Welt zu stärken.

Nach dem Abschluss der ersten beiden Studiengänge kam ich 1994-95 zum ersten Mal in Kontakt mit der muslimischen Welt, einerseits als Flüchtlingslehrerin für bosnische Kinder in Pula (Kroatien) und in Mals in der Bosnier-Grundschule für Flüchtlingskinder und andererseits während meines Philosophiestudiums, das ich mit einer Diplomarbeit über den französischen Philosophen René Guénon abschloss, der zum (esoterischen) Islam konvertiert war. Ich hatte damals auch einen achtmonatigen Studienaufenthalt in Tunis, um Arabisch zu lernen.

Nach verschiedenen Aufenthalten in muslimischen Ländern, wo ich unterrichtete und schrieb, entschied ich mich, an der Universität Venedig Arabistik und Geschichte zu studieren. Hier wählte ich für die Diplomarbeit ein dynamisches historisches Thema aus, und zwar das der nordafrikanischen Piratenstaaten im Mittelmeer des 16. Jahrhunderts.

Diese dynamischen „Staaten“ stellen für mich ein wahres Beispiel des Multikulturalismus und des Aufeinander-treffens von Völkern und Kulturen dar. Neben dem Studium arbeitete ich weiterhin als Fremdsprachlehrerin und Übersetzerin.

2000 konvertierte ich zum Islam und wählte den Namen Azize. 2002 arbeitete ich in Sanaa, Jemen, als Deutsch- und Englischlehrerin und vertiefte meine Arabischkenntnisse.

Von 2003 bis 2005 war ich für den Verein für internationale Zusammenarbeit Mondo Sud / Südwelt in Bozen tätig und unterrichtete auch Fremdsprachen an verschiedenen Sprachinstituten, u.a. bei Dar Loughat in Tetouan, Marokko und bei IRPA in Wien.

2004-2008 hatte ich dann die wunderbare Gelegenheit, an der Universität Wien bei Prof. Rüdiger Lohlker zum Thema der interkulturellen arabischen Korandidaktik im deutschen Sprachraum zu promovieren.

Im Dezember 2006 heiratete ich Aygun Uzunlar, einen deutschen Staatsbürger mit türkischem Migrations-hintergrund. Gemeinsam mit ihm gründete und leitete ich das internationale Übersetzungsbüro Sprachenmax in Köln mit verschiedenen Filialen in Deutschland, Italien und den Niederlanden.

Während meiner Zeit als Geschäftsführerin und Inhouse-Übersetzerin bildete ich mich auch im pädagogischen Bereich weiter, indem ich an der Universität Toronto einen Post-Master-Lehrgang im Bereich Islampädagogik absolvierte und an verschiedenen Lehrerfortbildungen für Englisch- und Deutschlehrer teilnahm.

Im Sommer 2014 wanderte ich dann mit meinem Ehemann und meinen inzwischen drei Kindern nach Istanbul Fatih aus. Ein halbes Jahr vor meiner Abreise hatte ich den ProMosaik Group gegründet, um den interkulturellen und interreligiösen Dialog durch Übersetzungen, Publikationen, Kinderbuchprojekte und Sprachkurse zu fördern.

Seit 2014 bin ich Chefredakteurin des Blogs von ProMosaik  (www.promosaik.blogspot.com) und arbeite als Inhouse-Senior-Übersetzerin für ProMosaik Translation.

Ich absolvierte eine 1,5-jährige Fortbildung im Bereich DAF beim Goethe-Institut, die ich 2016 abschloss. Ich leite auch das Projekt ProMosaik Children und die Verlagsinitiative ProMosaik LAPH.

Zu ProMosaik GROUP gehört auch das Projekt ProMosaik Poetry, das auf die Veröffentlichung und Übersetzung von Poesie aus aller Welt, vor allem aus Afrika, Lateinamerika und der muslimischen Welt fokussiert.

Ich bin fest davon überzeugt, dass Sprachen wesentlich zum Erfolg des interkulturellen und interreligiösen Dialogs beitragen und Buchübersetzungen Brücken zwischen Kulturen und Religionen bauen können.

In meinen Werken fokussiere ich auf den Dialog mit der islamischen Welt und die Menschenrechte, da ich mir sicher bin, dass es ohne Menschenrechte und interkulturelle und interreligiöse Empathie keinen dauerhaften, gerechten Frieden geben kann.

Interkulturelles Verständnis und interreligiöser Dialog reichen hier nicht aus. Es bedarf einer authentischen Empathie, um die Welt zu verändern. Ich setze mich für eine Gesellschaft ohne rechte Gewalt und Diskriminierung, ohne Antisemitismus und Rassismus, ohne Islamophobie und ohne jegliche Art von Diskriminierung religiöser Minderheiten ein.

Ich engagiere mich für die internationale Verständigung und die soziale Gerechtigkeit. In meinen Büchern bekämpfe ich auch die Sklaverei und Unterdrückung in den muslimischen Ländern und setze mich für die sozio-politischen Frauenrechte in den muslimischen Gesellschaften ein.