Milena Rampoldi, Der Menschenrechtler Louis Hunkanrin

In diesem Buch stellt die Autorin den Menschenrechtler Louis Hunkanrin, vor, der sich während der Kolonialzeit in Französisch-Westafrika für die Menschenrechte einsetzte. Im mauretanischen Exil kämpfte er gegen die Institution der Sklaverei und forderte ihre tatsächliche Abschaffung auf der Grundlage der Ideale der französischen Revolution. Er denunzierte auch die Korruption der französischen Kolonialverwaltung, die er für die Verewigung der mauretanischen Sklaverei mitverantwortlich machte. Die Kaste der Mauren, die sich als von Allah erschaffen ansieht, um auf Kosten anderer zu leben, verstößt laut seinen Aussagen, welche die Autorin teilt, auch gegen den Islam und seine egalitären Grundprinzipien. Dr. Rampoldi sieht in diesem engagierten und unermüdlichen Kämpfer für die Gerechtigkeit und Gleichheit aller Menschen einen in Vergessenheit geratenen Menschenrechtler, dessen marxistisches Weltbild nicht wenige Schnittstellen mit dem sozial-engagierten Islam aufweist. Hierzu schreibt sie: „Ich finde, dass der Dialog und die Zusammenarbeit mit dem Marxismus in seinem Aspekt des Kampfes für die Gerechtigkeit im Diesseits auch zahlreiche Musliminnen und Muslime heute ansprechen können.“

Im mauretanischen Exil schrieb er eine Reihe kurzer Schriften mit dem Titel Un forfait colonial. Darin denunziert er die mauretanische Sklaverei als eine unmenschliche Institution, die gegen die Menschenrechte, gegen jegliche Religion (er bezieht sich hier vor allem auf die monotheistischen Religionen) und auch gegen die Prinzipien der französischen Revolution verstößt. Daher kritisiert er in einem die Verzerrung der islamischen Religion durch die Mauren, „die sich als voll Allah auserwählt ansehen, um auf Kosten anderer zu leben“ und den Islam manipulieren, um die Versklavung ihrer Mitmenschen zu verewigen, und die französische Kolonialmacht, die Farcen-Verordnungen gegen die Sklaverei erlässt und sich nicht aktiv für ihre Bekämpfung einsetzt, weil die Allianz mit den herrschenden, maurischen Aristokraten und die Korruption mehr Geld einbringen und einfach bequemer sind als der steile Weg des Kampfes für die Gerechtigkeit und Gleichberechtigung aller Volksgruppen und sozialen Schichten im Namen des Ideals der Brüderlichkeit, das nach Ansicht der Autorin wohl nicht als Exportgut gedacht war.  Er fordert die Beamten der Kolonialverwaltung zur Befreiung der Sklavinnen und Sklaven im Lande auf. Die Autorin umschreibt im ersten Kapitel die Biographie des Journalisten als „heldenhaft“: denn er setzt  sich als Häftling und als Andersgläubiger im Namen der Menschenrechte für muslimische Sklavinnen und Sklaven in Mauretanien ein. Hunkanrin war Marxist. Die Autorin sieht in ihm einen wichtigen Autor für den Dialog zwischen Marxismus und Islam heute im Bereich des sozio-politischen Handelns zwecks Abschaffung der Sklaverei in Mauretanien. Hierzu schreibt sie:

„Ich finde, dass der Dialog und die Zusammenarbeit mit dem Marxismus in seinem Aspekt des Kampfes für die Gerechtigkeit im Diesseits, auch zahlreiche Musliminnen und Muslime ansprechen kann… Er durchleuchtet auch sehr gut, wie Religion manipuliert werden kann, um habsüchtiges Kastendenken durchzusetzen und die Schwachen zu unterdrücken. Durch seine Schriften erkennen wir Musliminnen und Muslime heute, wie der Kampf gegen die Sklaverei ein Kampf des Islam im Allgemeinen und der islamischen Menschenrechte im  Besonderen sein muss, um diese Institution in Mauretanien endgültig aus der Welt zu schaffen.“

Wie im Falle einer der Genitalverstümmelung der Frau, müssen wir ein klares NEIN gegen die Sklaverei aussprechen: ein klares UND absolutes NEIN, ein interreligiöses und ein interkulturelles NEIN. Ein NEIN gegen die Sklaverei bedeutet ein JA zu Gunsten der Menschenwürde.

Hier finden Sie ein Einführungsvideo zur französischen Ausgabe des Werkes von Hunkanrin.